Herzlich willkommen, liebe Freunde der „Songs an einem Sommerabend“

Der eigentliche Vorlauf der „Songs an einem Sommerabend“ begann auf der längsten Burg der Welt im alten Burghausen Anfang der 80er Jahre bei herrlichem Wetter. Ein Jahr später, es war völlig verregnet, trafen sich Liedermacher wie Joana, der junge Kon­stantin Wecker, der noch völlig ­unbekannte Ludwig Hirsch und viele andere. Das Ganze konnte aber nicht fortgeführt werden, weil der Hörfunk­-Übertragungswagen des Bayerischen Rundfunks für die Holzbrücke, die zur Bühne führte, zu schwer war und man zu einem anderen Standort 500 m Kabel hätte verlegen müssen. So war nach dem zweiten Akt die Liedermacherei zu Ende.

Einen zweiten Anlauf gab es 1986 auf dem Residenzplatz in Würzburg. Die ARD, vertreten durch den BR, lud Liedermacher aus fünf Ländern zu einer großen Sendung unter dem Motto: „Die Rose von Würzburg“ ein. Auch dieser Versuch blieb ein Unikat. Aber dann traf Ado Schlier, der Würzburger, der schon die beiden Programme gestaltet hatte und seit 1952 in München lebte, durch Zufall Karl-Theodor Huttner, der ihm erzählte, dass er bei der Hanns-Seidel-Stiftung sei. Nachdem beide manchmal Projekte beim BR für den Jugendfunk machten, beschlossen sie einmal bei viel Rotwein, über ein Festival nachzudenken.

Bei Hörfunk und Fernsehen des BR nachgefragt, meinten die verantwortlichen Weichensteller: Angesichts der immer flacheren Musikszene wäre solch ein Projekt mit Liedermachern eine echte Innovation. Karl-Theodor Huttner erzählte Otto Wiesheu, dem Geschäftsführer der Hanns-­Seidel-Stiftung, dass sein Bekannter Ado Schlier irgendwo in Bayern ein Liedermacherfestival institutio­nalisieren wollte. So kam das Kloster Banz ins Gespräch, das relativ kurzfristig im März 1987 besichtigt wurde. Schnell war der Plan verworfen, die Veranstaltung im Innenhof des Klosters zu machen. Auf Anregung von Otto Wiesheu kam die Klosterwiese ins Spiel mit einer im unteren Drittel zu installierenden Bühne.

Die erste Produktion fand dann im Juli 1987 statt. Schnell war auch ein Nachwuchspreis ausgelobt, von dem aus dem ersten Jahr noch die Preisträger Bernd Stelter und Georg Clementi erinnerlich sind. Im Hauptprogramm gab es u. a. Reinhard Mey, Nanette Scriba und Peter Cornelius. Eine kleine Sensation in der Musikszene war, dass der DDR-Liedermacher Rainer Schulze von der „Herkuleskeule“ in Dresden verpflichtet werden konnte.

Im dritten Jahr scheiterte eine junge Moderatorin. Reinhard Mey sprang ein und blieb dem Festival bis 1996 treu. Als Moderator wurde er abgelöst von Werner Schmidbauer, Joana, Krista Posch, Hans-Jürgen Buchner, Bodo Wartke und schließlich Matthias Brodowy, der auch in diesem Jahr die Brücke von den Geschichten singender Musikanten zum Publikum baut.
Ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Festivals war in all diesen Jahren die ständige Angst vor Hagel, Sturm und Wind. All diese Naturkräfte haben durch die Jahre immer wieder Beispiele ihrer beeindruckenden Präsenz gegeben – so auch im letzten Jahr in der Bilderbuchschönheit Sterzing in Südtirol.

Das Bayerische Fernsehen hat dieses Festival 29 Jahre begleitet und fehlte nur beim 25. Jahrgang. Daneben haben der WDR und die Rai Südtirol, aber auch der Deutschlandfunk jeweils die Brücken zu den Zuhörern in ganz Europa gebaut.

Die 31. Ausgabe des Festivals in Sterzing sollte ein Gedankenstrich zu der neuen Epoche in Würzburg werden, wo es nun am 29. und 30. Juni im zauberhaften Park des Klosters Himmelspforten stattfindet.

Das Exerzitienhaus Himmelspforten ist eine Symbiose von alter und neuer Architektur und moderner bildhafter Kunst. Ein ehemaliges Kloster, in dem 750 Jahre durchbetete Räume immer noch spürbar sind. Dieser Ort lässt Vergangenheit und Gegenwart in harmonischer Gleichberechtigung erscheinen. Die alte Bausubstanz vermittelt eine transzendente Wirkung und versetzt wie die neue Architektur mit Materialien, wie Glas, Stahl und Stein in eine andere Wirklichkeit.

Der Rahmen des Festivals ist kleiner geworden. Viele der Künstler, die Lieder, die vor allem von ihren Texten leben, präsentieren, bemängelten, dass auf der Wiese in Staffelstein die Intimität bei der Größe verloren gegangen ist. Das Konzept – alt bewährt, immer öfters kopiert, aber sicherlich nicht in dem Umfang erreicht – wird mehr Session und Begegnung mit Künstlern bringen.
Ein wichtiger Punkt ist der neue Preis für Lieder­macher, der „Walther-von-der-Vogelweide“. Er beinhaltet: Beistand für die Künstler bei Kontakten mit Veranstaltern und der Szene sowie die Kopie des gestalteten Fernsehauftritts sowie die dazuge­hörige professionelle Musikproduktion. Und natürlich – wie auch in den Vorjahren, wenn junge Talente sich dem Publikum stellten: Ein handverlesenes Auditorium, das in dieser wilden, turbulenten Zeit Sinn hat für diese Lieder, die auch Texte haben.

Das Team der „Songs an einem Sommerabend“ 2018 wünscht eine gute Zeit im weinfränkischen Würzburg beim Schlendern mit den Liedern gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung.